Wie wird Künstliche Intelligenz unsere Zukunft prägen? In unserer Interviewreihe zum Tag der KI 2026 geben Unternehmen und Fachleute spannende Einblicke in ihre Arbeit, erfolgreiche KI-Projekte und ihre Perspektiven auf die Zukunft der KI.
Wir freuen uns sehr, dass Bayernwerk Netz GmbH den Tag der KI als Silber-Partner unterstützt.
1. Welche KI-Anwendungen setzt Bayernwerk Netz GmbH heute bereits produktiv ein?
Das neue Energiesystem ist komplex. Allein auf das Stromnetz der Bayernwerk Netz GmbH wirken mehr als eine Million dezentrale Erzeugungsanlagen und speisen grüne Energie ein. Dazu kommen auf der Verbraucherseite immer mehr Wärmepumpen, Wallboxen und auch Rechenzentren. Parallel schreitet die Elektrifizierung der Industrie voran. In der Praxis führt das zu immer größeren Datenmengen und anspruchsvolleren Prozessen — im Netzbetrieb, in der Energieinfrastruktur und in der Verwaltung. Allein im Bayernwerk-Netz werden inzwischen Hunderttausende dezentrale Erzeugungsanlagen gesteuert und integriert. Dadurch entstehen enorme Datenmengen, deren Auswertung ohne digitale Technologien immer anspruchsvoller wird. KI hilft uns dabei, diese effizient zu bewältigen. Unser Team Digital Solutions NEXT entwickelt als zentraler digitaler Innovationsbereich KI-Anwendungen – und bringt sie in die Anwendung.
Zwei Beispiele, die zeigen, wie KI echten Mehrwert für Mitarbeitende und Kunden schafft:
- Automatisierte Adressdatenbereinigung – saubere Daten, stabile Prozesse: Millionen von technischen Geräten und Anlagen müssen im System korrekt erfasst sein — klingt trocken, ist aber business-kritisch für einen zuverlässigen Netzbetrieb. Ein KI-Agent vergleicht automatisch Adressdaten aus internen Systemen mit weiteren Informationsquellen, erkennt Abweichungen und schlägt Korrekturen automatisiert vor. Was früher manuell erledigt werden musste, läuft heute weitgehend automatisch.
- Automatisierte Rechnungsprüfung, Rechnungen lesen? Macht die KI. Eingehende Rechnungen von Marktpartnern wurden bisher manuell geprüft und übertragen. Heute übernimmt ein KI-Modell die automatische Auslesung der PDF-Rechnungen — und löst direkt die nächsten Prozessschritte aus. Eine echte Entlastung im Tagesgeschäft.
Und das ist erst der Anfang…
Die Bayernwerk-Gruppe arbeitet bereits an weiteren KI-Lösungen, die in Kürze produktiv gehen. Aktuell entsteht z.B. ein KI-Assistentenportal, das Mitarbeitenden einen zentralen Zugang zu spezialisierten KI-Anwendungen bietet und Wissen schneller verfügbar macht.Egal ob Fragen zu Sicherheitsthemen, technischen Richtlinien oder anderen fachlichen Bereichen — die richtigen Informationen sind künftig nur eine Frage entfernt, ohne langes Suchen in Dokumenten oder das Warten auf Kollegen.
Parallel dazu entsteht ein KI-Agent für das Vorschriftenmonitoring: Gesetze, Normen und Regulatorien ändern sich in der Energiebranche ständig — und den Überblick zu behalten ist aufwändig. Dieser KI-Agent überwacht automatisch relevante Neuerungen, bereitet Änderungen verständlich auf und unterstützt die zuständigen Teams dabei, relevante Änderungen schneller zu identifizieren und fachlich einzuordnen.
Die Fachbereiche werden proaktiv informiert und können schneller reagieren — ohne externe Dienstleister und ohne etwas zu verpassen.
2. Welche konkreten Mehrwerte entstehen für Mitarbeitende und Prozesse?
Die Energiewende, wachsende Datenmengen, regulatorischer Druck, Nachhaltigkeitsziele — die Herausforderungen für ein modernes Energieunternehmen sind real und sie wachsen. Gleichzeitig wird die Steuerung der Energieinfrastruktur immer komplexer: Dezentrale Erzeugung, volatile Einspeisungen und ein rasant wachsendes Verteilnetz erfordern intelligente Lösungen. KI hilft dem Bayernwerk dabei, diesen Anforderungen gerecht zu werden.
KI als Kollege, nicht als Ersatz Bei Bayernwerk verstehen wir KI als Partner im Arbeitsalltag. Sie übernimmt, was Maschinen gut können: repetitive Aufgaben durchführen, große Datenmengen verarbeiten, schnelle Recherchen erledigen — damit Menschen das tun können, worin sie unersetzlich sind: denken, entscheiden, gestalten.
Was gut für Mitarbeitende ist, ist gut für Kunden Optimierte Prozesse, weniger Fehler, schnellere Reaktionszeiten — das spüren am Ende auch die Kunden. Direkt, durch besseren Service. Indirekt, durch ein Unternehmen, das stabiler, agiler und zukunftsfähiger aufgestellt ist — und damit die Energieversorgung von morgen sicherstellt.
3. Welche Erfahrungen haben Sie bei der Einführung von KI-Lösungen gesammelt?
Datenqualität ist die Hausaufgabe, die zuerst gemacht werden muss. So begeisternd KI-Technologie auch ist — sie ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Unsere klare Empfehlung: Wer KI einführen will, muss zuerst in seine Datenbasis investieren. Saubere, konsistente und vollständige Daten sind keine Selbstverständlichkeit — aber sie sind die Grundlage für alles, was danach kommt. Das gilt gerade in der Energiebranche, wo die Datenbasis über Jahrzehnte gewachsen ist und historische Strukturen aufgebrochen werden müssen.
Menschen sind begeistert und skeptisch zugleich — und das ist völlig normal. KI löst Emotionen aus. Neugier, Begeisterung, aber auch Unsicherheit und Skepsis. Wir haben gelernt: Transparenz ist alles. Wer nicht erklärt, was KI tut, warum sie eingesetzt wird und was das für die eigene Arbeit bedeutet, verliert die Akzeptanz — und damit den größten Hebel für Erfolg.
Den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Genau deshalb haben wir eine Initiative ins Leben gerufen, die Mitarbeitende aktiv bei der Digitalisierung mitnimmt. Durch gezielte Kommunikation, moderne Lernformate und eine offene Kulturarbeit stellen wir sicher: Digitalisierung passiert nicht einfach — sie wird gemeinsam gestaltet. Der Mensch steht dabei mit seiner Kompetenz und seinem Urteilsvermögen immer im Vordergrund.
4. Wie entstehen KI-Innovationen beim Bayernwerk?
Die besten KI-Lösungen entstehen selten im Labor. Sie entstehen dort, wo Fachwissen aus dem Alltag auf moderne Technologie trifft. Deshalb entwickeln wir KI-Anwendungen immer gemeinsam mit den Fachbereichen, die später damit arbeiten.
Zwei Seiten, eine Idee. Eine gute KI-Idee braucht immer zwei Perspektiven: die fachliche und die technologische. Wer nur technisch denkt, löst vielleicht das falsche Problem. Wer nur fachlich denkt, unterschätzt vielleicht die Möglichkeiten. Beim Bayernwerk bringen wir beide Welten zusammen — in interdisziplinären Teams, die Fachbereiche und IT von Anfang an gemeinsam denken lassen.
Von der Idee bis zur Skalierung
Unser digitales Innovationsteam aus dem NEXT-Bereich begleitet diesen Weg aktiv und strukturiert: Es erkennt gemeinsam mit den Fachbereichen Bedarfe, generiert Ideen, validiert deren fachliche Relevanz und technische Machbarkeit. Ergänzt wird das durch eigene Umsetzungskompetenzen und ein externes Partner-Ökosystem, das Marktexpertise, Trendwissen und Unterstützung bei der Skalierung einbringt. So entsteht Innovation, die nicht im Labor bleibt, sondern im Alltag ankommt.


